Milliardenkosten
Viele Europäer leiden an Schlafstörungen
Ein Artikel vom ORF am 16.2.2026
Schlafstörungen sind in Europa häufiger als bisher angenommen – und entsprechend werden die volkswirtschaftlichen Kosten unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Sonntag publizierte Metastudie im „European Journal of Neurology“, an der auch österreichische Fachleute beteiligt waren.
Die wichtigsten Schlafstörungen wie obstruktive Schlafapnoe, Schlaflosigkeit und Restless-Legs-Syndrom betreffen 31 Prozent der Erwachsenen. Die entstehenden jährlichen Kosten gehen in Hunderte Milliarden Euro, belegte ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung jetzt auf Basis wissenschaftlicher Literatur.
„Schlaf und Schlafstörungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns (neurologische und psychiatrische Erkrankungen), des Körpers und die Gesellschaft. Trotzdem wurden die epidemiologischen und ökonomischen Belastungen durch Schlafstörungen bisher nicht ausreichend untersucht. Diese Studie untersucht die Epidemiologie und die Kosten von Schlafstörungen in 47 europäischen Ländern und identifiziert Wissenslücken in der Literatur“, schrieben jetzt Claudio Bassetti (Medizinische Fakultät der Universität Bern) und seine Koautorinnen und -autoren, darunter der Neurologe Thomas Berger von der MediUni Wien.
Daten aus 47 Ländern
Die Experten führten systematische Recherchen der wissenschaftlichen Literatur für den Zeitraum Jänner 2020 bis April 2023 durch und identifizierten dabei die relevanten epidemiologischen Studien sowie Untersuchungen zu den Krankheitskosten. Die wissenschaftlichen Untersuchungen wurden dann erneut analysiert.
Berücksichtigt wurden obstruktive Schlafapnoe (OSA; häufige Atmungsaussetzer im Schlaf), Schlaflosigkeit, Narkolepsie (exzessive Tagesschläfrigkeit), Restless-Legs-Syndrom (RLS) und REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD; Verlust der Muskellähmung während des REM-Schlafs). Insgesamt wurden 47 europäische Staaten berücksichtigt, die ökonomischen Analysen konnten sich nur auf 30 Länder beziehen, weil viele Daten fehlten.
Vernachlässigte Probleme
Der Personenkreis umfasste über 20-Jährige, bei der obstruktiven Schlafapnoe Menschen im Alter über 30. Die Hauptergebnisse laut Studie: „Die geschätzte Prävalenz (Häufigkeit bei der berücksichtigten Personengruppe) für obstruktive Schlafapnoe (OSA), Schlaflosigkeit, Restless-Legs-Syndrom (RLS), Narkolepsie und REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) in der erwachsenen Bevölkerung betrug 18 Prozent (OSA, Anm.), zehn Prozent (Schlaflosigkeit, Anm.), drei Prozent (RLS, Anm.), 0,03 Prozent (Narkolepsie, Anm.) bzw. 0,009 Prozent (REM-Schlaf-Verhaltensstörung, Anm.).“
Studie kommt auf extrem hohe Kosten
Der Anteil der direkten Kosten wurde mit 48 Prozent berechnet, jener der indirekten Kosten (Arbeitsausfälle etc.) mit 52 Prozent. Der jährlich durch Schlafstörungen verursachte Schaden ist offenbar extrem hoch. „Wirtschaftliche Daten lagen ausschließlich für Länder mit hohem Einkommen in Europa vor. OSA war die kostenintensivste Schlafstörung (184 Milliarden Euro), gefolgt von Schlaflosigkeit (158 Milliarden Euro), RLS (79 Milliarden Euro), Narkolepsie (905 Millionen Euro) und RBD (436 Millionen Euro)“, schrieben die Wissenschaftler.
Appell an Politik
Den Problemen sollte jedenfalls mehr Augenmerk gewidmet werden, so das Fazit: „Die unerwartet hohe Prävalenz (Anteil der Betroffenen in der Bevölkerung, Anm.) und die erhebliche wirtschaftliche Belastung durch Schlafstörungen stehen im Gegensatz zur allgemein vernachlässigten Rolle der Schlafgesundheit und von Schlafstörungen in Strategien der öffentlichen Gesundheit.“
red, ORF.at/Agenturen
